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Inhalt von Heft 2-2009
Uwe Schimank „Vater Staat“: ein vorhersehbares Comeback. Staatsverständnis und Staatstätigkeit in der Moderne
Tobias Auberger/Wolfram Lamping Die richtige Aufführung auf der falschen Bühne? Das Bundesverfassungsgericht und die Politisierung der europäischen Integration
Annette Elisabeth Töller Freiwillige Regulierung zwischen Staat und Markt: Der Deutsche Corporate Governance-Kodex (DCGK)
Thiess Büttner/Petra Enß/Robert Schwager Zur Bestimmung „notwendiger Ausgaben“ kommunaler Körperschaften
Falk Ebinger Wessen loyale Diener? Wie die Große Koalition die deutsche Ministerialbürokratie veränderte
Eva Barlösius „Forschen mit Gespür für politische Umsetzung“ – Position, interne Strukturierung und Nomos der Ressortforschung
Rick Vogel Aufkommen und Verbreitung von New Public Management in Deutschland – Eine institutionalistische Diskursanalyse mit bibliometrischen Methoden
Schwerpunkt: Performance Management
Kuno Schedler/Lukas Summermatter Der Integrierte Aufgaben- und Finanzplan als Instrument der mittelfristigen Steuerung in der Schweiz
Stefan Lange/Jochen Gläser Performanzsteigerung durch Selektivität? Erwartbare Effekte von Forschungsevaluationen an deutschen Universitäten im Lichte internationaler Erfahrungen
Dennis Hilgers Management by Performance – Konturen und Instrumente eines leistungsorientierten Verwaltungsmanagements
Isabella Proeller/John Philipp Siegel Performance Management in der deutschen Verwaltung
Literaturbericht
Alexander Kroll/Nicole Küchler-Stahn Performance Management in der öffentlichen Verwaltung – Zwischen Idealismus und Pragmatismus – Ein erweiterter Literaturbericht
Heft 2-2009 Zusammenfassungen und abstracts
Uwe Schimank „Vater Staat“: ein vorhersehbares Comeback. Staatsverständnis und Staatstätigkeit in der Moderne
Zusammenfassung Die theoretische Reflexion der Staatstätigkeit, die ich im vorliegenden Beitrag präsentieren möchte, stellt einen für moderne Staatlichkeit konstitutiven funktionalen Antagonismus heraus. Ein funktionaler Antagonismus ist ein strukturiertes Gegeneinander von Handlungsorientierungen und -wirkungen, das sich aber trotz aller Konflikthaftigkeit nicht destruktiv, sondern produktiv auswirkt. In der im ersten Teil anzusprechenden historischen Semantik der Moderne stellt sich der funktionale Antagonismus als Gegeneinander eines reduktionistischen und eines emergentistischen Staatsverständnisses dar. Diese Beschaffenheit des Denkens und Redens über den Staat ist eine wichtige Prägung der Staatstätigkeit. Ihre strukturelle Prägung erhält sie allerdings daraus, dass – wie ich im zweiten Teil erörtern werde – der moderne Staat Teil einer zugleich funktional differenzierten und kapitalistischen Gesellschaft ist. Deshalb unterliegt die Staatstätigkeit einem funktionalen Antagonismus von demokratischem Staat und Steuerstaat.
Schlagworte: Kapitalismus, funktionale Differenzierung, moderner Staat, Neomarxismus, Neoliberalismus
Fatherly State: A Comeback to Be Expected. Understanding and Working of the State in Modern Society
Abstract The theoretical reflection of the modern state presented in this paper emphasizes a functional antagonism which is a constitutive element of modern statehood. A functional antagonism is a structured opposition of orientations and effects of activities which, however has no destructive but a productive overall impact. In the first part the functional antagonism is described on the level of interpretations of modernitiy as an opposition of an emergentist and a reductionist understanding of the modern state. This way of thinking and talking about statehood is an important cultural factor which shapes the working of the modern state. Its structural shape - as I will show in the second part - results from its position in a society which is characterized by a functional antagonism of functional differentiation, on the one hand, and capitalism, on the other. This constitution of modern society brings about a functional antagonism of democracy and tax-dependency for the working of the modern state.
Key words: capitalism, functional differentiation, modern state, neomarxism, neoliberalism
Tobias Auberger/Wolfram Lamping Die richtige Aufführung auf der falschen Bühne? Das Bundesverfassungsgericht und die Politisierung der europäischen Integration
Zusammenfassung Das Bundesverfassungsgericht hatte mit seinem Urteil zur Klage gegen den Lissabon-Vertrag zwar am EU-Reformwerk selbst wenig auszusetzen, umso mehr jedoch am Umgang von Bundestag und Bundesrat mit diesem. Der Artikel untersucht den Ratifizierungsprozess im Hinblick auf die Frage, inwieweit die erzwungene Revision des Begleitgesetzes den Prozess der schleichenden Selbstentpflichtung des Parlaments zugunsten der Exekutive unterbrochen hat. Dabei wird argumentiert, dass das Urteil des Verfassungsgerichts neue Punkte strategischer Unsicherheit in die deutsche Europapolitik eingeführt hat: Zum einen ist zu erwarten, dass durch die multiplen Parlamentsvorbehalte einer Politisierung europäischer Verfassungspolitik im Bundestag der Weg bereitet worden ist, die sich in Kontestierbarkeit und gesteigerten Rechtfertigungsbedarfen äußert. Zum anderen kann jedoch auch davon ausgegangen werden, dass die den Regierungsvertretern tatsächlich angelegten europapolitischen Zügel „elastisch“ ausfallen werden und die Position des Bundesverfassungsgerichts als Hüter über die europäische Integration gestärkt worden ist.
Schlagworte: Europäische Integration, Lissabon-Vertrag, Ratifizierung, Bundesverfassungsgericht
Right Play, Wrong Stage? The German Constitutional Court and the Politicisation of European Integration
Abstract The article addresses the German ratification process of the Treaty of Lisbon. It argues that the judgement of the Constitutional Court could provide the opportunity for the parliament to reverse the creeping de-politicisation of European constitutional politics at national level by introducing new points of strategic uncertainty. On the one hand one may expect that it reinforces the role of the Bundestag and parliamentary debate by creating requirements to justify European integration and options of contestation. Though, on the other hand it is also likely that parliament is neither willing nor able to prescribe actual political options for the executive. Furthermore the constitutional court may further strengthen its predominant role of monitoring European integration.
Key words: European integration, Treaty of Lisbon, ratification process, German Constitutional Court
Annette Elisabeth Töller Freiwillige Regulierung zwischen Staat und Markt: Der Deutsche Corporate Governance-Kodex (DCGK)
Zusammenfassung Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Managervergütung und die Vorstandshaftung betrachtet der Aufsatz den 2002 verabschiedeten und seither kontinuierlich weiterentwickelten Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) als besonders interessantes Beispiel für freiwillige Regulierung. Dabei untersucht er die Regulierungsmuster, also die Art der Regulierung und ihrer Verlinkung mit dem Gesetzesrecht, er fragt nach den Ursachen für die Verwendung freiwilliger (statt gesetzlicher) Regulierung, untersucht, inwiefern die Regelung tatsächlich im Schatten der Hierarchie oder des Marktes steht, und betrachtet schließlich den Erfolg der Regelung. Letztlich geht es auch darum, ob und wie der Staat in solchen Arrangements in Erscheinung tritt.
Schlagworte: Corporate Governance-Kodex, Freiwillige Regulierung, Schatten der Hierarchie.
Voluntary Regulation between State and Market: The German Corporate Governance Codex (DCGK)
Abstract In the context of the current discussion about the manager’s allowance and the management’s liability this paper deals with the German Corporate Governance Codex (DCGK), that has been adopted in 2002 and has been further developed ever since. This Codex is a very interesting example for voluntary regulation. The paper analyses the regulatory patterns, particularly the linking of the voluntary rules to the statutory law, it explores the reasons for the use of voluntary (instead of authoritative) regulation, it examines in how far this arrangement actually stands in the shadow of the hierarchy or the market place, and it finally considers the success or failure of this arrangement. In the end it is also about the role that the state plays in such arrangements.
Key words: Corporate Governance Code, voluntary regulation, shadow of hierarchy
Thiess Büttner/Petra Enß/Robert Schwager Zur Bestimmung „notwendiger Ausgaben“ kommunaler Körperschaften
Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag untersucht, ob eine Quantifizierung notwendiger Ausgaben kommunaler Körperschaften in ökonomisch fundierter Weise geleistet werden kann. Nachdem gezeigt wird, dass die tatsächlichen Ausgaben von Gemeinden oftmals stark variieren, wird erörtert, wodurch diese Unterschiede erklärt werden können, und ob die Berücksichtigung solcher Erklärungsgründe bei der Bemessung der notwendigen Ausgaben helfen kann. Folgende mögliche Determinanten kommunaler Ausgaben werden identifiziert: (i) unterschiedliche Leistungsniveaus, (ii) Unterschiede in der Effizienz der Leistungserstellung, und (iii) örtliche Gegebenheiten, die zu unterschiedlichen Kosten bei der Leistungserstellung führen können. Während Ineffizienzen nicht direkt beobachtbar sind, ist die Identifikation von Kostenfaktoren aufgrund örtlicher Gegebenheiten mit einigem Aufwand zumindest teilweise zu leisten. Das zentrale Problem ist aber die Bestimmung des Leistungsniveaus einer Kommune. Da die Wertschätzung für öffentliche Güter nicht ermittelt werden kann, ist eine adäquate Quantifizierung des Leistungsniveaus nicht möglich. Der Beitrag kommt deshalb zu dem Schluss, dass “notwendige Ausgaben” kommunaler Körperschaften nicht quantifiziert werden können.
Schlagworte: … On Measuring the Costs of Local Public Services
Abstract In the debate about revenue sharing grants to local municipalities it is often demanded that the amount of grants to municipalities should depend on the cost of local public service provision. This paper discusses whether these demands can be operationalized by allocation rules in a satisfying way. We show that the empirical variation of actual expenditure for public services is substantial, which may reflect a variety of differences. This includes differences in the level of public service provision, differences in the efficiency, as well as technical cost effects. While inefficiencies are not observable empirically, the identification of technical cost effects might be possible to some extent. The key problem is, however, to determine the level of public service provision. Given the fundamental problem of measuring the output and quality of public goods a sufficiently adequate quantification is impossible. To base allocation rules on the cost of public service provision, therefore, is not a promising way to improve revenue sharing.
Key words: …
Falk Ebinger Wessen loyale Diener? Wie die Große Koalition die deutsche Ministerialbürokratie veränderte
Zusammenfassung Dieser Beitrag präsentiert die Befunde der Elitestudie Politisch-Administrative Elite 2009 (PAE 2009) über Zusammensetzung und Politisierung der bundesdeutschen Verwaltungseliten. Diese dritte nationale Replikation der Comparative Elite Studies bringt überraschende Entwicklungen unter der großen Koalition 2005-2009 ans Licht: Die Zahl der bekennenden Parteimitglieder fiel stark, dagegen stieg die funktionale Politisierung der Akteure sowie die Akzeptanz illoyalen Verhaltens gegenüber einer Regierung deutlich. Bedeutet dies den Abschied von den letzten Überbleibseln des weberianischen Idealbildes eines loyalen Beamtentums?
Schlagworte: Deutsche Ministerialverwaltung, politische Beamte, Parteipolitisierung, Politisierung, Ämterpatronage
Whose loyal servants? How the grand coalition changed the German Federal Adminstrative Elite.
Abstract This contribution presents new empirical data on the German federal executive top officials gathered by the Political-Administrative Elite 2009 Study (PAE 2009). By replicating the classic Comparative Elite Studies, knowledge on personal background, role perception and politicization is updated and some hypotheses on the changes triggered by the 2005-2009 grand coalition are tested. The results are astonishing, as top officials reported party politicization plunged, while functional politicization spirals further up and the appraisal for bureaucratic allegiance reaches a new low. A farewell to the last weberian bureaucrat?
Key words: Ministerial Bureaucracy, Administrative Elites, Politicization, Party Patronage, German Core Executive
Eva Barlösius „Forschen mit Gespür für politische Umsetzung“ – Position, interne Strukturierung und Nomos der Ressortforschung
Zusammenfassung Die Ressortforschungseinrichtungen zählen zu einer Gruppe von wissenschaftlichen Instituten, die zu zwei sozialen Felder gehört: Sie sind sowohl Teil des wissenschaftlichen wie auch des politisch-administrativen Feldes. Obwohl es sich bei ihnen zumeist um sehr große und machtvolle Institute handelt – einige von ihnen haben hoheitliche Aufgaben zu erfüllen –, gibt es nur sehr wenige wissenschaftssoziologische Studien über sie. Der Aufsatz beginnt mit einer strukturellen Analyse der Position und der internen Strukturierung der Ressortforschungseinrichtungen. Ihre Position wird wesentlich durch zwei formal garantierte Zugriffssicherungen bestimmt: rechtliche Regelungen und durch das Verfahren, nach dem die Forschungsagenda aufgestellt wird. Die interne Strukturierung informiert darüber, ob und inwieweit die Ressortforschungseinrichtungen für sich das Recht beanspruchen können, die Instanzen der internen Kontrolle und der Selbstausrichtung selbst zu bestimmen. An die strukturelle Analyse schließt sich eine relationale Analyse von drei Sichtweisen (ministerielle Sicht, die Sicht der Ressortforschung und die Sicht des wissenschaftlichen Feldes) darüber an, was „gute Leistungen“ der Ressortforschung sind. Diese Analyse ermöglicht es, zu untersuchen, ob die Ressortforschung einen eigenen Nomos ausgebildet hat, von dem sich ihre Eigenarten herleiten.
Schlagworte: Ressortfoschung, strukturelle und relationale Analyse, Position, interne Strukturierung, Nomos
“Research with a sense for political implementation” Position, internal structuralization, and nomos of Government Research Agencies
Abstract Government research agencies belong to a group of scientific institutions, which have at least two affiliations: They are part of the scientific as well as of the administrative fields. Although these research institutes represent big and powerful organisations – some of them are even mandated with sovereign duties – only few social science studies on scientific-governmental authorities exist. The paper starts with a structural analysis of the position of the institutes and of their internal structuralization. Their position is mainly determined by formalized guaranteed access, which is primarily assured by two modes: by official directives and by formal pre-determination of the research agendas. The internal structuralization informs to which degree the government research agencies are able to claim the right of defining by themselves instances of internal controlling and self-orientation. The structural analysis is followed by a relational analysis of three different views on what is considered “good performance” of these agencies: the ministerial view, the view of the governmental research agencies themselves, and the view of the scientific field. This approach allows for the analysis of whether the government research agencies exercise a specific nomos that defines their characteristics.
Key words: Government Research Agencies, structural and relational analysis, internal structuralization, Nomos
Rick Vogel Aufkommen und Verbreitung von New Public Management in Deutschland – Eine institutionalistische Diskursanalyse mit bibliometrischen Methoden
Zusammenfassung
Schlagworte: New Public Management, Neues Steuerungsmodell, Privatisierung, Bibliometrie, Netzwerkanalyse
Emergence and diffusion of New Public Management in Germany An institutional discourse analysis using bibliometric methods
Abstract The goal of the study at hand is to provide a systematic retrospective on the emergence and spread of new public management (NPM) in Germany. Institutional theories form the theoretical basis of the investigation; according to these theories, institutionalization processes can be divided into three stages (habitualization, objectification and sedimentation), which each generate a different degree of institutionalization. The analysis was conducted by applying bibliometric methods to a database of some 900 NPM-related journal articles, which contain some 22,000 citations. In the result, three institutionalization phases can indeed be identified, but only the first two stages confirm the theoretical expectations. Thus NPM has only reached the state of semi-institutionalization. Full institutionalization was not attained, because NPM could not be freed from the requirement to justify itself and because it did not develop a lasting tradition. This article concludes with four theses on NPM in Germany which go some way to correcting the received preconceptions.
Key words: New Public Management, New Steering Model, privatization, bibliometrics, network analysis
Schwerpunkt: Performance Management
Kuno Schedler/Lukas Summermatter Der Integrierte Aufgaben- und Finanzplan als Instrument der mittelfristigen Steuerung in der Schweiz
Zusammenfassung In etlichen Kantonen und Städten der Schweiz wurde mit der definitiven Einführung der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung auch die mittelfristige Steuerung weiter entwickelt. Wie im Leistungsbudget, wird nun auch im Integrierten Aufgaben- und Finanzplan (IAFP) die Leistungs- mit der Finanzseite systematisch verbunden und damit zumindest formell aufgewertet. Dadurch soll die Wirkungsorientierung noch besser möglich werden. Dieser Beitrag untersucht die heute eingesetzten Integrierten Aufgaben- und Finanzpläne in der Schweiz. Die empirische Basis bilden die publizierten Planungen und die offiziellen Botschaften dazu. Es wird deutlich, dass immer mehr Verwaltungseinheiten den IAFP einsetzen, in seiner Ausgestaltung jedoch grosse Unterschiede festzustellen sind.
Schlagworte: Wirkungsorientierte Verwaltungsführung, mittelfristige Steuerung, Leistungsbudget, Aufgaben- und Finanzplanung
The Integrated Task and Financial Plan as Mid-term Controlling-Tool in Switzerland
Abstract Together with the implementation of New Public Management mid-term control has been enhanced in several cantons and cities in Switzerland. In order to improve outcome orientation, the so called Integrated Task and Financial Plan links performance to resources, like performance budgets. This paper examines the today utilized Integrated Task and Financial Plans. Empirical evidence is collected from published plans and the related official statements. Results show that more and more governments publish an Integrated Task and Financial Plan, but its design shows huge differences.
Key words: New Public Management, mid-term control, performance budget, Task and Resources Planning
Stefan Lange/Jochen Gläser Performanzsteigerung durch Selektivität? Erwartbare Effekte von Forschungsevaluationen an deutschen Universitäten im Lichte internationaler Erfahrungen
Zusammenfassung Während der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich die Bewertung der Performanz öffentlich alimentierter Forschung zu einem wichtigen Thema der Wissenschaftspolitik in den OECD-Ländern entwickelt. Viele Länder haben Forschungsevaluationssysteme eingeführt, um die Qualität der Forschungs-Outputs an ihren Universitäten zu messen, zu beurteilen und in Rangskalen zu listen. Die entsprechenden Entwicklungen in Deutschland sind durch einen späten Beginn und ausgeprägte föderale Fragmentierung gekennzeichnet. Der Beitrag beschreibt zunächst die jüngsten deutschen Ansätze zur Einführung mehrerer Forschungsevaluationssysteme auf verschiedenen Politikebenen. Danach werden die Vorreiter-Evaluationssysteme Großbritanniens, der Niederlande und Australiens untersucht und mit Blick auf ihre Effekte auf Universitätsmanagement sowie Forschung und Lehre diskutiert. Dabei interessiert insbesondere die Frage, inwiefern intendierte und nicht-intendierte Effekte dieser Evaluationssysteme für die Einführung und aktuelle Entwicklung der deutschen Ansätze instruktiv sind. Es zeigt sich, dass die deutschen Systeme der Evaluation von Forschungsperformanz zahlreiche Ähnlichkeiten mit denen der Vorreiter-Länder haben und vor allem von den negativen und nicht-intendierten Effekten lernen können, die sich dort in einer über zwanzigjährigen Evaluationspraxis und deren Folgen gezeigt haben.
Schlagworte: Evaluation, Governance, Forschungsfinanzierung, Wissenschaftspolitik, Hochschulsysteme
Performance by Selectivity? On Foreseeable Effects of Research Evaluations at German Universities in the Light of International Experiences
Abstract During the past three decades the performance assessment of state-financed research has become a major issue of science policies in OECD countries. Accordingly, many countries started to introduce research evaluation systems (RES) to assess and reward the performance of research in their universities. Germany is a latecomer in this respect. Owing to its federal constitution, a multitude of RES has emerged. This article aims at drawing conclusions about likely intended and unintended effects of the recently introduced German RES from an analysis of first-mover-RES in Great Britain, the Netherlands, and Australia. The article describes recent German attempts to establish several RES at different policy levels, and summarizes effects of the British, Dutch and Australian RES on university management as well as teaching and research. It turns out that German RES bear certain similarities with the first-mover-systems, which enables conclusions concerning the likelihood of negative effects which have shown up in more than twenty years of evaluations abroad.
Key words: Evaluation, Governance, Research Funding, Science Policy, Higher Education Systems
Dennis Hilgers Management by Performance – Konturen und Instrumente eines leistungsorientierten Verwaltungsmanagements
Zusammenfassung Nachhaltige finanzielle Engpässe in den Haushalten und veränderte Anforderungen an Staat und Verwaltungen lassen seit einiger Zeit die Notwendigkeit einer Neuorientierung im Management von öffentlichen Ressourcen, Prozessen und Dienstleistungen erkennen. Dabei steht die Hinwendung zu privatwirtschaftlichen Managementmethoden mit verstärkter Fokussierung auf die konkreten Ergebnisse und Wirkungen des Verwaltungshandelns im Vordergrund. Die tatsächliche Diskussion und Entwicklung in öffentlichen Verwaltungen ist allerdings ganz überwiegend durch die weitgehend isolierte Übertragung und Anwendung einzelner Instrumente und Verfahren aus der (privatwirtschaftlichen) Managementlehre gekennzeichnet. Die in weiten Bereichen vorherrschende Komplexität der öffentlichen Leistungserstellung findet keine Berücksichtigung. Die Beurteilung der Eignung, Leistungsfähigkeit und Wirkung einzelner Instrumente unter Vernachlässigung der Einbindung in den komplexen Systemzusammenzusammenhang dürfte weitgehend unzureichend sein. Der vorliegende Beitrag stellt hierfür einen konzeptionellen Bezugsrahmen unter besonderer Berücksichtung der Reform des öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesens vor. Er soll zugleich Grundlage und Impulsgeber für eine stärker empirisch ausgerichtete Forschung zum öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesen sein.
Schlagworte: Budgetierung, Integrierte Verbundrechnung, Komplexität öffentlicher Leistungserstellung, Leistungsmessung, Öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen, Performance Management
Management by Performance – Outlines and instruments of an output- and outcome-based management for public administrations
Abstract Lasting financial straits in public budgeting and changed requirements placed on the state and its administration indicate theimportance of the reorientation of the management of public resources, processes, and services. In this context, the tendency towards commercial management methods with a strong focus on specific outputs and outcomes of administrative action is gaining importance. Here, the guiding concept is performance management, offering instruments for gaining more efficiency and effectiveness and stimulating a policy-driven management process also considering pluralistic stakeholder interests. However, the current discussion and development in public administrations is characterized by a largely isolated application of individual instruments and procedures from the entrepreneurial management field. The prevailing complexity of public services, which can be found in large areas of administration, is not taken into consideration. The present article introduces a conceptual framework with special attention given to the reform of public budgeting and accounting. At the same time, it shall serve as a basis for a stronger empirically oriented research in public budgeting and accounting. Key words: Accrual Accounting, Performance Management,
Isabelle Proeller/John Philipp Siegel Performance Management in der deutschen Verwaltung
Zusammenfassung: Performance Management, hier verstanden als leistungs- und wirkungsorientierte Steuerung der Verwaltung, ist eine bedeutende Funktion moderner Verwaltungsführung und steht im Mittelpunkt der internationalen Public-Management-Theorie und -Praxis. In diesem Beitrag wird der Umsetzungsstand des Performance Managements in Deutschland untersucht und dabei auf Bund, Länder und Kommunen eingegangen. Die Analyse orientiert sich insbesondere an den Handlungsfeldern Performance Budgeting, ergebnisorientierte Steuerung sowie Benchmarking und geht der Frage nach, welcher Typus der Performance-Steuerung im Sinne der Kategorien von Bouckaert und Halligan (2008) realisiert ist. Der Beitrag kommt auf der Basis von Literatur- und Dokumentenrecherchen zum Schluss, dass auf Bundes- und Landesebene kaum integrative und flächendeckende Ansätze implementiert sind, verweist aber auf Einzelbeispiele weitergehender Praktiken. Auf kommunaler Ebene ist der Umsetzungsstand höher, was an der Realisierung entsprechender Elemente des Neuen Steuerungsmodells und zunehmend dem neuen Haushalts- und Rechnungswesen liegt. Erklärt und interpretiert wird dieser Stand durch kulturelle, strukturelle und pragmatische Faktoren.
Schlagworte: Performance Management; Leistungs-, Ergebnis- und Wirkungsorientierung; Performance Budgeting; Deutschland; Umsetzungsstand
Performance Management in German Public Administration – An Explorative Estimation
Abstract Performance Management, understood as output- and outcome-orientated steering within public administration, is an important approach of modern public management and has internationally drawn the attention in theory and practice. In this article we take a look at the state of implementation of performance management in Germany distinguishing between its federal, state, and municipal levels. The analysis focuses on performance budgeting, output oriented steering, and benchmarking and deals with the question how the different state levels can be characterized with respect to Bouckaert’s and Halligan’s (2008) ideal types. We conclude that there is a lack of integrated and comprehensive performance systems on the federal and state level except for a few single outstanding cases. On the municipal level, however, the state of performance management can be assessed slightly more positive which has been caused by its progressive implementation of new financial management and accounting systems. Furthermore, to explain the different implementation status regarding performance management, we offer cultural, structural, and pragmatic reasons.
Key words: Performance Management; output-, outcome, and result orientation; Performance Budgeting, Germany, implementation status
Literaturbericht
Alexander Kroll/Nicole Küchler-Stahn Performance Management in der öffentlichen Verwaltung – Zwischen Idealismus und Pragmatismus – Ein erweiterter Literaturbericht
Zusammenfassung In diesem Literaturbericht werden sechs aktuelle, oft zitierte, englischsprachige Bücher zur Thematik des Performance Management in der öffentlichen Verwaltung besprochen. Dabei werden die Herausforderungen und Grenzen von Performance Management diskutiert. Unser Fokus richtet sich in diesem Zusammenhang auf die theoretischen Prämissen, die dem Performance Management unterliegen, auf Messprobleme sowie auf Defizite bei der tatsächlichen Verwendung von Performance-Daten zu Steuerungszwecken. Allerdings veranschaulicht der Literaturbericht auch die positiven Erfahrungen einer Performance-Orientierung in der öffentlichen Verwaltung und liefert einige Ansätze, wie Performance-Management-Systeme noch wirkungsvoller gestaltet werden können. Für den deutschen Fall können zwei Rückschlüsse gezogen werden. Erstens, Deutschland gilt in Sachen Performance-Orientierung im internationalen Vergleich immer noch als Nachzügler. Deshalb ist der Grenznutzen weiterer Investitionen in Performance-Management-Systeme in Deutschland immer noch hoch. Zweitens, Performance Management sollte nicht von Detailperfektionismus und den Annahmen perfekter Rationalität bestimmt werden, sondern pragmatisch, spezifisch und gegenstandsangemessen organisiert werden.
Schlagworte: Performance Management, Literaturbericht, Performance-Orientierung im öffentlichen Sektor in Deutschland, Performance Information, Messprobleme
Public Sector Performance Management – Between Idealism and Pragmatism – An Extended Book Review
Abstract This book review discusses six, often cited, Anglophone books dealing with the issue of performance management in public administration. We cover the challenges and restrictions of performance management and focus in this regard on the theoretical premises of performance management, on measurement problems, as well as on shortfalls of the actual use of performance information. However, this review also reflects on the positive experiences of performance orientation in public administration and suggests approaches to improve performance-based management. For the German case, we draw two conclusions. First of all, with respect to performance management, Germany in an international comparison is a latecomer. Therefore, the marginal utility of further performance measurement investments is still going to be high. Secondly, performance management should not be determined by detail perfectionism and premises of perfect rationality but should be organized pragmatically, specifically, and subject adequately.
Key words: Performance Management, Literature Review, Performance Orientation in the German Public Sector, Germany, Performance Information, Measurement
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